Blechspielzeug - Im Wandel der Zeit

Vorgeschichte des Blechspielzeugs:

Spielzeug wurde immer schon aus Materialien hergestellt, die auch für Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens zur Verfügung standen. Bei Ausgrabungen in Ägypten wurde Spielzeug für Kinder aus Ton gefunden. Hierzulande wurde Spielzeug im 16. und 17. Jahrhundert vor allem aus Holz hergestellt, da es in unseren Regionen reichlich Holzbestände gab, so entwickelte sich die Holzspielzeugherstellung.

Blechspielzeug - Geschichtliche Betrachtung:

Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts bildete sich durch die industrielle Revolution die Fertigung von Blechspielzeug. Es entwickelte sich langsam eine Mittelschicht in der Bevölkerung, die sich solches Spielzeug für ihre Kinder leisten konnte. Erste Blechspielwaren wurden in Handarbeit von Familienbetrieben hergestellt. Heute werden wieder Blechmodelle in Handarbeit und von Hand bemalt auf den Markt gebracht, allerdings zählen sie nicht zum klassischen Blechspielzeug, sie sind vor allem als Dekorationsmodelle angedacht, werden aber auch gesammelt.

Sehr früher Hersteller von richtigen Blechspielzeug war die Nürnberger Firma Issmayer; sie wurde bereits 1818 gegründet. Als wahrscheinlich ältester Hersteller dürfte jedoch das Unternehmen Rock und Graner aus dem schwäbischen Biberach zählen. Große Firmen waren damals die absolute Ausnahme. So wurde vor allem in zahlreichen Familienbetrieben in und rund um Nürnberg Blechspielzeug hergestellt und den Handelsunternehmen zum Vertrieb zur Verfügung gestellt. Damals entstanden auch erste Verkaufskataloge mit Abbildungen.

Ab dieser Zeit entstanden dann die bis in die heutige Zeit bekannten Blechspielzeughersteller wie Bub (gegr. 1851), Märklin (1859), Bing (1863), Günthermann (1877), Lehmann (1881) sowie Fleichmann (1887). Der Durchbruch für all diese bis dahin eher kleinen Unternehmen gelang ab 1871, als die innerdeutschen Grenzen fielen und umfangreicher Handel möglich wurde. Hierzu ist der Vergleich zur heutigen Zeit sehr interessant.

Blechspielzeug-Litographie:

Im Jahr 1889 setzte sich der farbige Blechdruck durch. Litographie auf Papier wurde durch Senefelder erfunden, sie war jedoch mit Problemen bei der Umsetzung auf Blechplatten verbunden. Nachdem diese Schwierigkeiten gelöst waren haben sich in Deutschland drei Schwerpunktzentren für Blechspielzeug gebildet: Die Region Nürnberg-Fürth, Württemberg sowie Brandenburg bei Berlin.

Blechspielzeug - Erste Modellautos und erster Weltkrieg:

1885 wurde durch den deutschen Ingenieur Karl Benz das Automobil erfunden, Gottfried Daimler entwickelte das erste Motorrad. 1898 legte Bing das erste Blech-Spielzeugauto auf, das erste Modellauto sozusagen. An diesem Beispiel sieht man bis heute wie nah die Spielzeugindustrie an den Herstellern der "erwachsenen und großen" Automobile und Motorradmodelle angebunden ist. Heutzutage natürlich noch in viel kürzerer Zeit. Ab 1898 stellte Bing individuell hergestellte Blechspielzeugautos her; eine Revolution in der damaligen Zeit. 1912 wurde in Nürnberg das Unternehmen Schuco gegründet. Im ersten Weltkrieg ruhte die Blechspielzeugherstellung gänzlich.

Blechspielzeug und Weltwirtschaftskrise:

Um 1930 gab es beträchtliche Einschnitte bei der Blechspielzeugindustrie. Bis dahin bekannte Unternehmen wie Bing, Issmayer und Hess mussten aufgeben. Neue Firmen entstanden wie Tipp & Co., Johann Distler sowie Karl Bub. Bis dahin in der Herstellung eher vernachlässigte Modelle, wie etwa Militärmodelle, errangen Aufsehen Es wurde plötzlich Kriegsspielzeug produziert, was vorher keinerlei Interesse hervorgerufen hatte. Blechspielzeughersteller von großer Bedeutung für Militaria waren fortan Tipp & Co., Hausser Elastolin sowie Lineol.

Blechspielzeug ab 1933 - Drittes Reich:

Märklin hat 1933 den ersten Blechspielzeug-Autobaukasten herausgegeben, Schuco drang ab 1936 mit absolut hochwertigen mechanischen Blechspielzeugen auf den Markt. Seinerzeit gab es eine Vielzahl von Blechspielzeug-Herstellern; Kellermann, Arnold, Gama sowie Günthermann seien hier genannt. Litographie war Standard geworden, Faszination und Schönheit war Ziel.

Blechspielzeug ab 1939 - Zweiter Weltkrieg:

Blechspielzeug war jetzt nicht mehr unbedingt aktuell. Die Hersteller mussten ihre Kapazitäten der deutschen Kriegsindustrie zur Verfügung stellen. Hausser, Märklin und Tipp & Co. konnten bis zum Kriegsende weiter arbeiten.

Blechspielzeug ab 1945 bis zur Währungsreform:

Die Herstellung von Blechspielzeug wurde alsbald wieder aufgenommen. Kinder mochten auch zu dieser Zeit natürlich Spielzeug, obwohl es sehr schwierig war es zu bezahlen. Nürnberg glänzte als Spielzeugwiege seit vor dem Krieg und konnte als erstes "Wiederauferstehen". Dort wurden bald nach dem 2. Weltkrieg Blechspielzeug "Made in US-Zone Germany" oder "Made in Germany US-Zone" hergestellt. In der Vorkriegsherstellung hatten solche Blechmodelle den Aufdruck "Made in Germany". Ab Mitte der 1950er Jahre wurde der Aufdruck in "Made in Western Germany" umgeändert. Ein zeitlicher Raum lässt sich nicht ziehen, es gab Firmen, die den alten Aufdruck bis in die 1970er Jahre aufbrachten. Nach dem Krieg stellte man zunächst das selbe Blechspielzeug wie vor dem zweiten Weltkrieg her, das Dekor wurde natürlich geändert. Neuentwicklungen waren zunächst schwierig, es fehlte an Kapital und vor allem an technischen Möglichkeiten, auch wollte man eine Währungsreform abwarten.

Blechspielzeug ab 1948 - Währungsreform:

1948, nach der Währungsreform, wurde Blechspielzeug wieder massenhaft hergestellt. Entwickler und Hersteller hatten drei Jahre lang ganze Arbeit geleistet und auf diesen Zeitpunkt hin gearbeitet, zahlreiche Neuheiten kamen Ende der 1940er Jahre, Anfang der 50er Jahre auf den Markt. Die Feinmechanik hatte zur damaligen Zeit abolute Hochkonjunktur, es wurde entwickelt was das Zeug hält. Schuco war seinerzeit eine antreibende Kraft, Ideenschmiede und verwirklichte Blechspielzeug, das heute noch bewundert wird. Weitere bedeutende Blechspielzeughersteller waren seinerzeit Tipp & Co, Distler, Gescha, Gama, Günthermann sowie Technofix.

Blechspielzeug ab den 1960er Jahren:

Der Abstieg der Blechspielzeugherstellung begann Anfang der 1960er Jahre. Zum Teil trugen die japanischen Hersteller dazu bei, jedoch machte man sich die größte Konkurrenz selbst. Plastik und Zinkdruckguß waren auch in Deutschland auf dem Vormarsch und Blechspielzeug kam aus der Mode. Die Herstellung in den neuen Produktionsmethoden war authentischer, genauer und vor allem wesentlich günstiger. Siku, Wiking, Matchbox und Tekno waren auf dem Vormarsch. 1960 gab Karl Bub und Günthermann die Produktion von Blechspielzeug auf, Johann Distler, der zu TRIX gehörte, wurde 1962 verkauft, Arnold und Fleischmann gaben die Blechspielzeugherstellung ebenfalls auf und stellten anschließend Modelleisenbahnen her. Ein damals relativ unbekannter Hersteller erkannte die Zeit, JNF, er stellte ab sofort Rennbahnen her, Carrera, berühmt bis in die heutige Zeit. Tipp & Co., ein Blechspielzeug-Riese, hörte 1971 mit der Produktion auf. Was ist weiter geblieben: Schuco und der heutige tschechische Blechspielzeughersteller KOVAP.

Blechspielzeug ab 1970er Jahre:

In den Jahren 1976/77 hörte die Firma Biller mit ihrer Blechspielzeugproduktion auf. Den Schlußstrich deutscher Blechspielzeugherstellung setzte dann 1980 eines der ältesten Blechspielzeughersteller: Georg Kellermann, 1910 gegründet, Kellermann war vormals Gesellschafter bei Karl Bub und bildete dort den Gründer von Technofix aus. Um Deutschland herum gestaltete sich das Szenario um Blechspielzeug ähnlich. Etwas zeitversetzt und später; Japan beherrschte den Blechspielzeugmarkt von etwa 1963 bis 1973. Die Japaner waren innovativer und erfanden mittels Automatisierung noch so manches Blechspielzeug-Highlight. Seit Anfang der 1970er Jahre setzten sie jedoch vor allem auf Plastik, ab 1975 war es auch in Japan mit Blechspielzeug vorbei.

Blechspielzeug ab 1980 - der Gegentrend - vor allem in Deutschland :

Seit den 1980er Jahren hat sich jedoch wieder ein Wandel eingesetzt; vor allem in Deutschland. Warum liegt auf der Hand: Spielzeug aus Blech wurde zunächst als kleine Wiederauflage auf den Markt gebracht, zum Test sozusagen. Es funktionierte; die Nostalgiewelle war angekommen.

Neue Formen und Werkzeuge wurden verwendet, jedoch nicht mehr in Deutschland sondern im Ausland. Dort konnte man noch zu einem einigermaßen günstigen Preis-Leistungsverhältnis produzieren. War es zunächst Europa, dann Fernost, anschließend wanderten die Hersteller wieder Richtung Europa. Märklin, Schuco, Lineol, Wilesco, Revell und Josef Wagner haben in der 1990er Jahren mit großem Erfolg neu entwickelte Blechautos hergestellt.

Blechspielzeug heutzutage:

Abgesehen von einigen Herstellern mit kleinen Auflagen sind es vor allem Schuco, KOVAP und Wilesco, die den Blechspielzeugmarkt mit sehr schönen Modellen interessant halten. Zum Teil Repliken von klassischen Modellen der 1950er und 60er Jahre, zum Teil mit gänzlich neuen Modellen. Fazit: Blechspielzeug wird niemals aussterben, zu groß ist die Sammlergemeinde, auch die Nachfrage nach Blechspielzeug für Kinder ist immer noch sehr bedeutend. Dampfmaschinen von Wilesco erfreuen immer wieder das Sammlerherz und Kinder begeistern sich beim Spiel mit faszinierenden Schuco-Classic-Blechspielzeugmodellen sowie KOVAP Traktoren, berühmt geworden mit ihrem echt funktionierendem Schaltgetriebe.

Blechspielzeug - Ausblick:

Altes antikes Blechspielzeug wird immer an Wert behalten, zum Teil immer wertvoller, die Ergebnisse bei Auktionen sind nicht schlecht. Neues Blechspielzeug wird, solange die Auflagen der Hersteller niedrig bleiben, ebenfalls seinen Wert halten, bestimmte Modelle der letzten zwanzig Jahre zeigen einen sehr erfreulichen Trend nach oben. Entscheidend sind vor allem der Erhaltungszustand des Modells und des Originalkartons.

Tipps für heutige Blechspielzeugsammler:

Heutige Sammler von Blechspielzeug sollten sich eine Vitrine zulegen, in denen man die Exponate auf den Sammlerkartons präsentieren kann. Das schützt vor Staub und macht die Modelle zu besonderen "Exponaten". Zudem macht es einen Sammler stolz eine Blechspielzeug-Sammlung in solch einem Ambiente vorzustellen. Die Vitrine sollte vor direkter Licheinstahlung geschützt werden, damit die Kartons nicht verbleichen, eine dezente Beleuchtung der Vitrine schadet nicht. So ist man bestens gerüstet für eine lukrative Preissteigerung in den nächsten Jahren.

Viel Spass mit einem faszinierenden Sammelgebiet wünscht Ihnen:

Nostalgiemodelle aus Blech - Blechspielzeug 

Sehr gute Informationen liefert Ihnen die Sendung "Kunst und Krempel" des Bayerischen Fernsehens: Kunst und Krempel

 

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.